Wie kann ein dramatischer Klimawandel verhindert werden?

Climate Mitigation

Der Klimawandel ist in vollem Gange. Allerdings ist es immer noch möglich, den Klimawandel abzuschwächen (engl.: to mitigate) – d.h., seinen Verlauf zu verlangsamen und sicherzustellen, dass es zu keinem unkontrollierten Klimawandel kommt. Im Folgenden listen wir einige Abschwächungsmaßnahmen auf.

Anmerkung: Diese Abschwächungsmaßnahmen müssen von den Anpassungsmaßnahmen unterschieden werden. Unter Anpassung versteht man diejenigen Maßnahmen, die nötig sind, um die Welt an die Folgen des Klimawandels anzupassen, die bereits unvermeidlich geworden sind. Ein gängiges Beispiel ist das Errichten von Deichen, um niedriggelegene Gebiete vor dem Anstieg des Meeresspiegels zu schützen.

Nutzung Erneuerbarer Energien

Die Wärme- und Stromproduktion durch Stromunternehmen für den Weiterverkauf an Industrie, Haushalte und andere stellt die Hauptquelle der Treibhausgasemissionen innerhalb der EU dar. Die zweitgrößte Quelle für europäische Treibhausgasemissionen ist der Transport.

Weitere Grafiken zu den Themen Treibhausgasemissionen nach Sektoren und Entwicklungen der Emissionen finden Sie im Greenhouse Gas Data Viewer der Europäischen Umweltagentur (European Environment Agency, EEA).

Die gute Nachricht ist: Es ist möglich, diese Emissionen drastisch zu reduzieren, nicht nur durch Einsparungen, sondern auch durch das Wechseln zu Ökostrom.

Die Emissionen der europäischen Energieerzeugung sind, dank der zunehmenden Nutzung von Wind- und Solarenergie, bereits im allmählichen Sinken begriffen. Aber es muss noch mehr passieren.

Erneuerbare Energien können auch dabei helfen, die Emissionen des Transport- und des Wohnsektors zu reduzieren. Wir sollten nicht einfach nur auf Elektromobilität umstellen und Wärmepumpen installieren; wir sollten auch sicherstellen, dass unsere elektrischen Geräte mit Ökostrom betrieben werden.

Weitere Möglichkeiten, Treibhausgasemissionen zu reduzieren

Hier finden Sie eine Liste weiterer Maßnahmen, die getroffen werden müssen, wenn wir den Klimawandel begrenzen wollen. Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, um weitere Vorschläge hinzuzufügen.

a. Energiesparen im Alltag

Energiesparmaßnahmen sind Maßnahmen, die den Konsum von Energie reduzieren. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, Energie zu sparen. Entweder mittels Energieeffizienz, oder indem wir unseren Lebensstil ändern.

Der Ausdruck ‚Energieeffizienz‘ bezieht sich auf die Möglichkeit, die benutzte Menge an Energie zu reduzieren, ohne dass das Endresultat dadurch beeinträchtigt wird. Beispiele hierfür sind die Isolierung von Häusern oder die Installation von LED Lampen. Energieeffizienz kann auch durch die gesamte Planung eines Hauses (z.B. im Sinne eines Passivhauskonzeptes) oder durch die Weiterentwicklung von Technologien, z.B. derer elektronischer Geräte, erreicht werden.

Unsere Lebensweise zu verändern bedeutet, dass wir eine Gewohnheit ändern, um Energie zu sparen. Zum Beispiel, indem wir das Fahrrad benutzen, statt mit dem Auto zu fahren, indem wir in unseren Häusern weniger heizen oder elektronische Geräte ausschalten, wenn wir sie nicht benutzen.

Beide Methoden zusammen können eine erhebliche Menge an Energie einsparen.

Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, wie Sie Energie sparen können, besuchen Sie z.B. die Website des Energy Saving Trust.

Viele Stromanbieter stellen ihren Kunden Informationen darüber zur Verfügung, wie sie Energie sparen können. Wenn Ihr Anbieter nicht die Relevanz des Energiesparens hervorhebt, ist es möglicherweise eine gute Idee, den Stromversorger zu wechseln.

Laut dem European Council for an Energy Efficient Economy, „verschafft uns Energieeffizienz die Zeit, die wir benötigen, um fossile Brennstoffe und andere, nicht nachhaltige Energiequellen durch Erneuerbare Energien auf ökologische, ökonomische und sozial verantwortliche Art und Weise zu ersetzen.“

b. Reduzierung von Emissionen in anderen Bereichen

Transport

Wie die obige Grafik zeigt, ist Transport die zweitgrößte Quelle für Treibhausgasemissionen. Es ist daher absolut nötig, darüber nachzudenken, wie man diese Emissionen reduzieren kann.

Jeder kann dazu etwas beitragen, indem er oder sie das Auto weniger nutzt. Alternativ kann man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad fahren, Carsharing betreiben oder zu Fuß gehen. Behörden und politische Entscheidungsträger können helfen, die Sicherheit und den Komfort für Fußgänger und Fahrradfahrer zu erhöhen (z.B. durch Fahrradwege, öffentliche Fahrradständer, Bürgersteige) und die öffentliche Verkehrsinfrastruktur zu verbessern (z.B. eigene Fahrbahnen für Busse, kostenfreies Parken in der Nähe von Bus- oder U-Bahn-Stationen, …).

Versuchen Sie auch, Flugreisen zu vermeiden. Ein Flug verursacht pro Passagier (d.h. pro Sitz im Flugzeug!) die gleiche Höhe an Treibhausgasemissionen, als wenn die Strecke per Auto zurückgelegt worden wäre. Dazu kommt, dass die Emissionen von Flugzeugen einen stärkeren Effekt haben, da sie in großer Höhe ausgestoßen werden. Fragen Sie sich selbst, ob der Flug wirklich nötig ist. Können wir nicht die gleichen Dinge weniger weit entfernt von unserem Wohnort tun? Oder vielleicht können wir eine Telefonkonferenz oder ein Webinar veranstalten? Oft gibt es Alternativen – z.B. auch den Zug. Ein Flug von Paris nach Toulouse verursacht 90 kg an CO2-Ausstoß, während die gleiche Reise mit dem Zug nur 5 kg CO2 verursacht (18 Mal weniger).

Das Kaufen lokaler Produkte kann Transportemissionen eindämmen. Das Kaufen saisonaler Produkte kann die Nutzung von energieintensiven Kühlungssystemen reduzieren.

Land- und Viehwirtschaft

Viele Studien haben belegt, dass eine wichtige Möglichkeit, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, darin besteht, unser Essverhalten zu ändern. Die Reduzierung unseres Fleisch- (das gilt insbesondere für rotes Fleisch) und Milchkonsums ist eine der Hauptfaktoren, die die Treibhausgasemissionen begrenzen können (siehe z.B. diese exzellente, 2008 in den USA veröffentlichte Studie). Eine der Hauptursachen ist, dass Vieh, insbesondere Kühe, Methan durch Atmung und Rülpsen emittieren (vor allem, wenn sie Futter von geringer Qualität bekommen). Sie produzieren auch Mist, der oft gelagert wird und Methan freisetzt – diese Lagerung ist vor allem in intensiven Haltungssystemen bzw. großen Stallbetrieben üblich.

Andere Treibhausgasquellen im landwirtschaftlichen Sektor sind:
– die Nutzung von Stickstoffdünger;
– die Nutzung fossiler Brennstoffe in der landwirtschaftlichen Produktion;
– die Abholzung von Wäldern, um die landwirtschaftliche Nutzfläche zu vergrößern.

c. Negative Emissionen

Die Idee der ’negativen Emissionen‘ besteht darin, die Natur oder die Technik dazu zu benutzen, Treibhausgase aus der Atmosphäre zu entfernen. Im Moment liegt der Schwerpunkt der Forschung hauptsächlich auf dem Entfernen von CO2 (Carbon Dioxide Removal (CDR)), auch Carbon Geoengineering genannt. Unter den in diesem Zusammenhang vorgebrachten Vorschlägen finden sich beispielsweise das Pflanzen von Bäumen, Kohlenstoffbindung oder die Düngung der Ozeane (hier können Sie mehr darüber erfahren). Der IPCC präsentiert sein 4. Assessment über negative Emissionen als notwendigen Schritt in mehreren seiner Langzeitklimaszenariomodellen (lesen Sie hier mehr darüber).

Es gibt viel Kritik am Konzept des Carbon Geoengineering: zu hohe ökonomische Investitionen erforderlich, die Technologien haben möglicherweise Nebenwirkungen, nicht effizient genug, bestehendes Risiko, dass die Aufmerksamkeit von wichtigeren Emissionsreduzierungsmaßnahmen abgelenkt wird. Hier können Sie einen 2011 von Duncan Mac Larren von Friends of the Earth UK verfassten und sehr gut dokumentierten Bericht zum Thema lesen.

d. Emissionshandel mit Kohlendioxid

Der Emissionshandel mit Kohlendioxid wird oft als Teil der Maßnahmen im Bereich der negativen Emissionen angesehen.

Das System basiert auf einer Bewilligung von einer festen Höhe an Emissionen pro Person / Unternehmen. Wenn ein Unternehmen weniger emittiert, als es darf, kann es seine ungenutzte Kapazität an Unternehmen verkaufen, die sie benötigen. Indem diese Maßnahme Kohlendioxid einen Preis zuordnet, kann sie ein effektiver Anreiz sein, Emissionen zu reduzieren.

Die Kehrseite eines solchen Systems ist, dass es den finanziell gut Ausgestatteten die Lizenz zum Emittieren gibt, solange sie Leute finden, die ihr Geld benötigen. Es fokussiert Menschen auch auf ihre individuellen Emissionen und schafft damit das Risiko, dass die Gesamtsituation nicht wahrgenommen wird und globale Antworten auf Klimawandelproblematiken eingeschränkt werden.

e. Verbesserung der Stromspeicherkapazität

„Energiespeicherung wurde mit der Einführung von Elektrizität in großem Maßstab zu einem vorherrschenden Faktor in der wirtschaftlichen Entwicklung. Anders als andere geläufige und vorrangig benutzte Energiespeicher wie Holz oder Kohle, muss Elektrizität genutzt werden, sobald sie erzeugt worden ist, oder umgehend in eine andere Energieform (z.B. potenzielle, kinetische oder chemische Energie) umgewandelt werden. Bis vor kurzem ist elektrische Energie nicht im großen Maßstab umgewandelt und gespeichert worden, allerdings sind weitere Bemühungen in diesem Bereich während des 21. Jahrhunderts gemacht worden.

Eine frühe Lösung des Problems der Energiespeicherung für elektrische Zwecke war die Entwicklung der Batterie als ein elektrochemisches Speichergerät. Batterien waren zuvor in elektrischen Energiesystemen aufgrund ihrer relativ geringen Kapazität und ihren relativ hohen Kosten nur begrenzt im Einsatz. Allerdings sind seit ca. der Mitte des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts modernere Batterietechnologien entwickelt worden, die nun bedeutsame niveauregulierte Kapazitäten im Nutzungsbereich bereitstellen können; seit 2013 scheinen einige unter ihnen zu versprechen, mit alternativen Methoden konkurrieren zu können. Eine ähnliche Lösung, um mit dem Problem der Diskontinuität von Solar- und Windenergie umgehen zu können, findet sich im Kondensator.“ (Die letzten beiden Absätze sind Auszüge aus dem Wikipediaartikel ‚Energiespeicherung‚.)

Momentan ist die Stromspeicherung nicht hocheffizient. Verbesserungen könnten allerdings bahnbrechend für den Ökostromsektor sein. Sie würden uns erlauben, den Strom nicht zu nutzen, wenn er produziert, sondern wenn er benötigt wird, und unsere Abhängigkeit vom Wetter begrenzen.