Gute Gründe, um Schulstreiks für eine neue Klimapolitik zu unterstützen

02.03.2019

Vor dem internationalen Klimatag von Friday-For-Future am 15. März 2019 führen wir einige gute Gründe auf, die schulstreikende Jugend zu unterstützen.

1. Keine andere Kampagne hat die Dringlichkeit der Klimakrise so klar und direkt hervorgehoben. Wir können nicht einfach warten, bis das Problem gelöst ist oder bis die Schulstreikenden ihr Studium abgeschlossen haben. Die CO2-Emissionen müssen jetzt sofort drastisch sinken. Ansonsten werden wir einen unkontrollierbaren Klimawandel und ein Klima-Chaos erleben.

2. Die Fridays-For-Future-Kampagne ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was „Fremde“ gemeinsam erreichen können, wenn sie ein gemeinsames Ziel haben und zusammenarbeiten. Auf lokaler Ebene vereinen sich junge Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Fähigkeiten, arbeiten zusammen und schaffen Großartiges. Auf internationaler Ebene lassen sich Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen und in unterschiedlichsten sozialen und wirtschaftlichen Situationen leben, von den Slogans und Ideen Anderer inspirieren. Sie feiern die Erfolge der anderen und werden auch selbst aktiv. Sie senden einander unterstützende Botschaften und ermutigen sich gegenseitig. All dies führt zu beeindruckenden Ergebnissen. Denken Sie an die Kampagne in Belgien, wo Anuna De Wever und Freunde im Dezember 2018 die Idee hatten, „Greta Thunberg zu kopieren“. Und kaum einen Monat später, am 24. Januar 2019, versammelten sich 35.000 Schüler auf den Straßen von Brüssel.

3. In immer mehr Ländern bringt die Kampagne die Klimakrise nicht nur auf die Titelseiten und in die wichtigsten Nachrichten, sondern auch an die Küchentische, zur Arbeit und in die sozialen Medien. Erinnern Sie sich an den „Al Gore-Effekt“? FridaysForFuture ist ähnlich, aber stärker, beständiger und massiver. Wenn dies so weitergeht, müssen die Politiker reagieren.

4. Für eine zu lange Zeit herrschte allgemein das Gefühl, dass der Klimawandel schwer zu begreifen ist: Ein Thema für Wissenschaftler, Experten und parlamentarische Ausschüsse, in Mainstream-Medien hat er aber nichts zu suchen – zu kompliziert. Nun stellen wir fest, dass Studenten, die zum Teil erst 13 Jahre alt sind, die wissenschaftlichen Erkenntnisse einem großen Publikum (z. B. im Fernsehen) korrekt und verständlich erklären können. FridaysForFuture macht die Folgen des Klimawandels sichtbarer und greifbarer. Früher dachten wir, der Klimawandel würde „entfernte Länder“ und „zukünftige Generationen“ beeinflussen. Aber nein: Was wir in den nächsten drei Jahren tun, wird sich auf das gesamte Leben dieser jungen Menschen auswirken.

5. Wir können nur die Art und Weise bewundern, in der die Aktionen und Demonstrationen stattfinden: bunt, hoffnungsvoll, ruhig und friedlich. Wir brauchen mehr davon, viel mehr!

6. Diese jungen Leute tun es einfach. In der Politik, wie auch in der Geschäftswelt und anderswo gibt es zu oft hunderte Gründe, Dinge nicht zu tun. Es gibt keine Zeit, die Aktion ist nicht im Jahresplan aufgeführt, es gibt kein Geld, es steht nicht in der Stellenbeschreibung etc. Es ist wirklich ermutigend zu sehen, dass die Dinge schnell gehen können, wenn die Menschen Ihre Dringlichkeit begreifen.

7. Der Diskurs der Schülerinnen und Schüler ist wissenschaftsbasiert. In Interviews beweisen viele Sprecher der Bewegung, dass sie ihre Hausaufgaben besser gemacht haben als Politiker und andere Entscheidungsträger. Dies wird auch von den Wissenschaftlern selbst bestätigt: Tausende von Wissenschaftlern haben Unterstützungsschreiben unterzeichnet, in denen sie bestätigen, dass die Aktivisten Recht haben!

8. Die Kampagne wird von warmherzigen Menschen geleitet. Zu viele von uns hatten sich nach und nach an Intoleranz und Gleichgültigkeit gewöhnt, die von einer schnell wachsenden Zahl populistischer Führer und ihrer Anhänger zu uns gebracht wurde.

9. Wenn Sie all die Begeisterung bemerken, wissen Sie, dass dies nicht so schnell verblassen wird. Im Gegenteil, diese Bewegung hat das Potenzial, noch viel größer zu werden. Das sind gute Nachrichten, weil sich Politiker eindeutig nicht bewegen, wenn sie den Druck von der Straße nicht spüren.

10. Die Aktivisten konzentrieren sich nicht nur auf die Gesamtemissionen, sondern auch auf die Gerechtigkeit: Sie sorgen dafür, dass die Ressourcen der Welt (und das verbleibende CO2-Budget) unter allen Menschen gerecht verteilt werden, egal wo sie leben.

11. #FridaysForFuture ist inklusiv und einladend, nicht spaltend. Die Botschaft der Jugend lautet „Wir brauchen euch alle“. Zunehmend beteiligen sich auch „Eltern für Klima“ und „Großeltern für das Klima“. Und viele andere auch. Warum schließen sich Gewerkschaften, Unternehmen und viele andere nicht auch an?

12. Die Aktivisten konzentrieren sich in erster Linie auf ihre eigenen Entscheidungsträger: ihre Stadträte, ihre Parlamente. Das ist fantastisch. In Klimadebatten geht es viel zu oft darum, was andere tun sollen. Die Debatte wechselt so von „Die anderen Länder sollten zuerst handeln, weil sie die stärksten Umweltverschmutzer sind“ und „Wir müssen dies gemeinsam tun, und wenn wir ein Beispiel sind, müssen die anderen folgen“.

13. Jugend fordert keine Revolution. Dies ist keine Kampagne gegen die bestehende Ordnung oder gegen Personen. Die Jugend fordert, dass die Politiker und andere Entscheidungsträger die IPCC-Berichte lesen und entsprechend handeln. Die Kampagne bringt auch internationale Solidarität mit sich und zeigt, dass gemeinsame Umweltziele ein Gegenmittel gegen Polarisierung und Extremismus sein können.

14. Die Maßnahmen machen schmerzlich deutlich, wie schlecht unsere Entscheidungsträger vorbereitet sind. Viele von ihnen wissen einfach nicht, was sie antworten sollen. Viele reden Unsinn, werden arrogant, wütend etc. Kaum ein Politiker hat einen Plan vorgelegt, der die Klimakrise als Krise auffasst.

15. Diese Kampagne wird von jungen Menschen geleitet, die diese in ihrer Freizeit planen und vorbereiten, also nach der Schule und nach den Hausaufgaben. Viele finden das „nett“, aber so ist es nicht. Junge Menschen sollten ihre Freizeit nicht dafür aufwenden, das Chaos zu beseitigen zu müssen, was Erwachsene verursacht haben.

16. Obwohl einige Schulen Schulstreikende unterstützen, gehen viele Schüler Risiken ein, indem sie sich illegal von der Schule entfernen. Selbst wenn keine Ausweisungsrisiken bestehen, fehlen ihnen immer noch die Unterrichtsstunden, was bedeutet, dass sie diese in der Freizeit aufholen müssen oder schlechtere Noten riskieren müssen.

17. Es ist bestärkend und ermutigend, tausende Bilder von Einzelpersonen und Gruppen vor ihren Rathäusern und Parlamenten auf der ganzen Welt zu sehen, die dieselbe Botschaft teilen. Diese Kampagne hilft Aktivist/Innen weltweit zu verstehen, dass sie nicht alleine sind und dies gibt ihnen die Kraft, weiterzumachen. Klimaaktivismus war und ist zu oft eine einsame (und frustrierende) Beschäftigung.

18. Viele Sprecher der Kampagnen werden verbal angegriffen und bedroht. Die Aktivisten bekämpfen nicht nur den Klimawandel, sie müssen auch Hass aushalten. Und das auf erstaunlich ruhige, bewundernswerte und würdige Weise. Respekt! Wir müssen sie auf jede erdenkliche Weise unterstützen.

19. Die Aktivisten haben keine Supermächte, sind nicht superreich oder waren an dem Tag, an dem sie ihre Handlungen begannen, nicht berühmt. Sie sind wie die meisten von euch. Wenn sie etwas bewirken können, warum nicht wir? Außerdem: Junge Leute halten uns einen Spiegel vor und bringen uns zum Nachdenken. Das ist nicht immer schön. Das ist aber äußerst nützlich und gerade jetzt dringend nötig.

20. Die Reden von Greta Thunberg gehören zu den besten und inspirierendsten von dem, was ich in 20 Jahren Klimaschutz gehört habe: Greta Thunberg auf der COP 24 in Katowice, Polen (Dezember 2018), Schulstreik für Klimaschutz – save the world by changing the rules, TEDxStockholm (Dezember 2018), Special Address, Jährliches Meeting des World Economic Forum, (Januar 2019) und Greta Thunberg’s Ansprache an die EU Politiker in Brüssel (Februar 2019).

Beitrag von Steven Vanholme
Programm-Manager von EKOenergie